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Wir laden Sie ein zu einem Rundgang durch Niedernhausen im Odenwald, hierzu geben wir Ihnen viele Erläuterungen zu Gebäuden und ehemaligen Standorten. Als Begleitbilder haben wir diesmal Winteransichten aus dem Ort gewählt - selbstverständlich können Sie aber auch im Sommer hierher kommen.(Die Bilder sind in der Regel nicht an der gleichen Stelle in den Textfluß eingefügt an welcher Sie diese Ansichten auch vor Ort finden, bei den Ausnahmen hiervon finden Sie einen entsprechenden Hinweis im Text.)
Wir beginnen unseren Rundgang am Bürgerhaus in Niedernhausen. Das heutige Erscheinungsbild dieses Gebäudes entstammt den umfangreichen Umbaumaßnahmen des Jahres 2005. Ursprünglich wurde das Gebäude vom Turnverein als Turnhalle konzipiert aber aus verschiedenen Gründen von der damaligen Gemeinde Niedernhausen als Bürgerhaus fertiggestellt. Bevor sich hier dieses Gebäude befand war hier eine Wiese mit einem Bienenhaus im Besitz der Familie welcher auch das gegenüberliegende Gasthaus gehört. Dieses Bienenhaus existiert in gewisser Weise heute noch - es bildete dereinst den Kern der heutigen Grillhütte Weidestall des Gasthofes Brunnenwirt (Zum Meenzer Eck).
Bürgerhaus in Niedernhausen
Wenn wir nun unseren Blick auf die andere Strassenseite lenken ist das ehemalige “Meenzer Eck” nicht zu verfehlen. Dieses 1735 erbaute Haus war bis Anfang der 1970er Jahre das Gasthaus “Meenzer Eck” - ein seltsamer Name meinen Sie ? Keine Sorge wir liefern Ihnen die Erklärung hierzu.
Mit Mainz zumindest hat dieser Name nichts zu tun. Der Name “Meenzer Eck” lässt sich sehr wahrscheinlich zurückführen auf den einstmals hier lebenden Georg Conrad Meenzer (1771-1828).
Nach der Familie Meenzer folgte die Familie Schanz, da einer deren Ahnen eine Tochter von Meenzer heiratete und da es den Namen Schanz wohl einstmals hier sehr häufig gab behielt der Volksmund zur besseren Unterscheidung der Familien den Namen “Meenzersch” bei.
Wir setzen unseren Weg entlang der neuen Gaststätte “Brunnenwirt” fort vorbei am großen Parkplatz. Hier standen ehemalig auch zwei Wohnhäuser - bis in die 1970er Jahre hinein. Durch Straßenmaßnahmen wurden sie abgerissen und gingen im Parkplatz des Gasthauses auf.
Über der Kreuzung sehen wir gleich einen Garagenartigen Anbau der hier nicht so recht hinpasst. Dies war einst die ehemalige Filiale der Kreissparkasse Dieburg in Niedernhausen - bis zum Neubau der Filiale etwas weiter die Straße entlang. Danach war hier noch eine kurze Zeit eine Videothek. Auf dem Grundstück gleich hiernach lebte und wirkte einst Johann Ludwig Schröbel (1827-1889) - Nagelschmiedemeister und Heilgehilfe. Er wurde unter dem Begriff “Heildiener” bekannt und war auch Leichenbeschauer im Ort. Noch heute verwenden ältere Ortsbewohner den Begriff “´s Heildienersch”.
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Meenzer Eck
Weiter geht es. Wir kommen an ein - mittlerweile geschlossenes - Lebensmittelgeschäft. (Darmstädter Straße 32). Dieses Haus, mit Platten verkleidet, ist das ehemalige Schulhaus des Ortes Böllstein. Es wurde im Jahre 1864 hier wieder aufgebaut. Hier wurden über vier Generationen das Dreherhandwerk ausgeübt, man stellte unter anderem die bekannten hölzernen Gäulschen her. Der Volksmund bezeichnete das Geschäft, welches hier bis in das Jahr 2005 war - als “Drehersch”.
In etwa schräg gegenüber ein weiteres Fachwerkhaus, die Keimzelle der ehemaligen Fabrik des Georg Becker (späterer Standort direkt vor dem Lebensmittelgeschäft in Richtung Schloss aufwärts ziehend - heute unter anderem Gemeindebauhof). Auch diese einst große Fabrik stellte früher Spielwaren aus Holz her und besuchte damit unter anderem die Spielwarenmesse in Nürnberg.
Wir bleiben diesem Handwerk treu und wenden uns dem nächsten Haus vor der Bäckereifiliale zu (Hausnummer 30). Auch hier wurden Spielwaren hergestellt.
Die Söhne des Drehers Georg Meisenbach (1839-1928) begründeten die beiden späteren Firmen Georg Meisenbach KG (zuletzt Fabrikgelände am Schloßberg - 2006 abgetragen) und Karl Meisenbach KG. Anstatt Holzspielwaren stellte bzw. stellt man allerdings Schreibgeräte her.
Es geht nun vorbei an der Bäckereifilliale, hier wurde schon seit mindestens 1864 Brot gebacken. Rechts verläuft nun ein kleiner Pfad zwischen Kirchenmauer und Bäckereigrundstück hinauf - das sogenannte “Kirchpfädchen”.
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Johannes der Täufer Kirche
Am Aufgang zur Kirche sehen wir rechts und links vom Eingang zwei kleine viereckige leere Flächen neben der Treppe. Dies war einst der Standort der beiden Gedenksteine für die Kriege von 1914-1918 und 1870/71 - diese beiden Steine sind heute auf dem Friedhof zu finden. Gerne können Sie nun einen Abstecher hinauf in die evangelische “Johannes der Täufer” - Kirche machen. Dieses, im neugotischen Stil erbaute, Gotteshaus wurde zwischen 1890 und 1891 errichtet. Das Gebäude liegt mit seinem schönen Aufgang und seinem umgebenden Park mit Mauer und den Gebäuden des Pfarrhauses aus dem Jahre 1879 und der Remise wunderschön inmitten des Ortes.
Gleich nach dem Pfarrhaus gelangen wir an ein weiteres altes Gebäude aus dem Jahre 1854 (leicht zu erkennen an den beiden Schaufenstern). Hier war von ca. 1892 bis Ende des 20. Jahrhunderts eine Schuhmacherfamilie ansässig. Nebenbei übten die drei hier einst sesshaften Generationen der Familie Boßler auch das Amt des Glöckners und Küsters in der nebenan liegenden Pfarrkirche aus. Die Familie zog nach der Errichtung der Kirche hierher nachdem man bereits zuvor seit 1826 das Amt des Küsters in der Lichtenberger Schloßkapelle wahrgenommen hatte - eine beachtliche Tradition.
Zwei Häuser weiter finden wir das heutige Rathaus der Gemeinde Fischbachtal.
Erbaut wurde dieses Gebäude im Jahr 1841 als Schulhaus. Bis in die 1980er Jahre wurden auch noch teile des Rathauses als Schulgebäude genutzt. Heute findet man die “Heuneburg”-Grundschule direkt im Anbau an das Rathaus.
Wenden wir unseren Blick gegenüber des Rathauses sehen wir zwei ähnlich aussehende Häuser. In dem linken Haus war einstmals ebenfalls ein Schuster mit Geschäft und später die Volksbankfiliale von Niedernhausen unterge- bracht. In dem rechten der beiden Gebäude betrieb einstmals Friseur Helmut Schröbel seinen Salon. Er war ein Enkel des Joh. Ludwig Schröbel den wir als Heildiener kennen gelernt haben. Nun aber weiter - wir kommen an der Schulturnhalle vorbei die bis in die 1970er Jahre noch das Feuerwehrgerätehaus beherbergte. Gleich im Anschluss hieran finden wir die ehemalige Wagnerei und Leiterfabrik der Familie Bonin - deren Betrieb mittlerweile ausserhalb von Niedernhausen zu finden ist.
Genau gegenüber des Anwesens im etwas von der Straße abgesetzten Gebäude war einmal die Postfiliale von Niedernhausen untergebracht - bis in die 1970er Jahre. Und es bleibt interessant - wir kommen an der Gaststätte Olympia vorbei. Einstmals war hier die Familie Romig ansässig und betrieb ein beliebtes Café und später die Gaststätte Latzekeller. Nun halten wir uns aber rechts und biegen auf den “Freien Platz” ein. Dies war einmal der zentrale Platz von Niedernhausen - hier wurde die Kirmes abgehalten und auch die Dreschmaschine wurde hier von den Lokomobilen angetrieben.
Gleich rechts finden wir ein langgestrecktes Gebäude - dies war der einstige Standort der Schmiede in Niedernhausen. Das Schmiedehandwerk wurde hier seit den 1730er Jahren ausgeübt. Drei Generationen lebte hier die Familie Keller worauf der Volksmund die Bewohner bis in die heutige Zeit als “Kellersch” bezeichnete - hier wirkte der “Keller-Schmied” daher “Kellersch”, obwohl die Besitzerfamilie seit über 5 Generationen einen anderen Namen trägt. Bis ins 21. Jahrhundert existierte hier noch ein Haushaltswarengeschäft.
Das nächste anschliessende große Fachwerkgebäude war einstmals das Forsthaus von Niedernhausen. Doch dies liegt lange zurück, seit mindestens Mitte des 18. Jahrhunderts lebt hier kein Förster mehr. Gleich nebenan (auf dem Bild unten in der Mitte leicht zu erkennen) finden wir die ehemalige Post von Niedernhausen. Von hier führ auch die letzte Postkutsche ab. Lange ist es her. Das Gebäude wurde von seinen heutigen Besitzern liebevoll restauriert und hat sich im allgemeinen kaum verändert.
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Freier Platz
Rechts an dem Gebäude führt die Straße hinauf nach Lichtenberg auf zwei Wegen und genau in der Gabelung liegt der Standort des ehemaligen Schulhaues der Gemeinden Lichtenberg und Niedernhausen - heute längst nicht mehr vorhanden.
Wende wir uns wieder leicht bergab biegt wieder rechts eine Straße ab und gleich die nächsten beiden Hausstandorte können uns wieder eine Geschichte erzählen. Das Grundstück Freier Platz 9 war früher Standort des Hirtenhauses der Gemeinde und gleich darauf folgt der Standort des “neuen Hirtenhauses”. Dieses gehörte, wie auch das zuvor genannte, bis 1827 der Gemeinde und war Wohnstatt für Hirten und später für ärmere Mitbürger. Im Ortsmund nennt man das “neue Hirtenhaus” Krelle-Bäcker oder Schmuncke-Bäcker. Hier lebte und wirkte einst die Familie Krell und betrieb eine Bäckerei. Auch der hier lebende und langjährige Schulleiter von Niedernhausen, Herr Philipp Bert, erlernte noch das Bäckerhandwerk.
Auch das nächste Gebäude ist, diesmal noch im Original vorhanden, ein historisches in Niedernhausen. Dies war bis in das Jahr 2006 der “Schützenhof” eine langjährige Gaststätte vor Ort. Das Haus wurde 1832 erbaut und ist seither in Familienbesitz verblieben. Fünf Generationen lang, seit mindestens Ludwig Schanz (1839-1912) war hier eine traditionsreiche Gaststätte. Der Name “Schützenhof” kam wohl zustande als in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Schützenwesen aufkam und der damalige Besitzer der Vorsitzende eines Vereines und gleichzeitig der Gastgeber war. Früher stand im Hof noch eine schöne Buche. Interessant ist auch der alte Ortsplan an der Scheune des Anwesens - eine Seltenheit heute.
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Ehemaliger Schützenhof
Wir überqueren nun die Hauptstrasse und gehen vorbei an der Dorflinde - rechts daneben (wo das kleine Geschenklädchen ist) war bis in die 1970er Jahre im übrigen eine Tankstelle doch davon ist nichts mehr zu erahnen.
Nachdem wir die Brücke über die Fischbach überquert haben biegen wir links in den Wiesenpfad ab. Im ersten Anwesen rechts war früher ebenfalls eine Wagnerei untergebracht - die Werkstätte hat sich bis heute erhalten ist aber nicht zugänglich.
Es geht nun entlang der Bach hinab, vorbei am Spielplatz, dem Kindergarten und dem sogenannten “Bolzplatz” bis wir wieder auf die Straße stoßen. Im Haus hier rechts machte einstmals der spätere Fabrik Justus Krell seine ersten Schritte in der Herstellung von Schreibgeräten (siehe hierzu auch Geschichten ) - später gründete er die Firma Merz+Krell welche heute der größte Hersteller von Druckkugelschreibern Europas ist.
Schräg links sehen wir ein schön renoviertes Fachwerkgebäude aus dem frühen 18. Jahrhundert - der heutige Hof Pollack ist, wenn auch unter anderen Familiennamen geführt, einer der ältesten in Niedernhausen und lässt sich zurückverfolgen bis in die Zeit des dreissigjährigen Krieges. Wir setzen unseren Weg nun entlang der Fischbach fort.
Wenn Sie kurz auf der Brücke stehen bleiben sehen Sie die heutige Situation - links auf dem Parkplatz des Landgasthofes Brunnenwirt befand sich einst ein Wohnhaus und geradeaus bachabwärts ein kleiner bäuerlicher Hof - heute völlig verändert. Der sogenannte Brunnenweg, den wir gleich weiter begehen, war damals noch viel schmaler als heute und die Böschung der Fischbach war mit Steinen viel steiler als jetzt. Auch gab es hier einst zwei Bachläufe und mittig eine Insel. Gleich gegenüber dem heutigen Eingang des Hauses befand sich hier der Gemeindebrunnen - deswegen auch Brunnenweg - heute ist von alledem nichts mehr zu erahnen.
Nun aber weiter. Wir laufen durch den Brunnenweg - der heute hier Schnurrgasse heisst und biegen gleich dahinter rechts über die Fischbachbrücke ab. Links sehen wir einen Gebäudekomplex dessen frühere Besitzerfamilie man als “Uhrmachersch” kannte. Grund hierfür waren fünf Generationen von Uhrmachern die hier lebten. Viele Turmuhren der Region stammten aus diesem Haus aus den Händen des Turmuhrmachers Philipp Schuchmann (1844-1920).
Mit der Hausnummer 5 der Schnurrgasse finden wir den ehemaligen Standort und Keimzelle der nun etwas oberhalb gelegenen Schreibgerätefabrik Karl Meisenbach.
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Rathaus Niedernhausen
Etwas weiter rechts, Schnurrgasse 7, war bis in die 1990er Jahre das Kaufhaus Pabst zu finden. Dieses Anwesen wurde auch “Wewwersch” genannt da hier über vier Generationen lang das Leineweberhandwerk betrieben wurde. Aufgrund der typischen Geräusche der Webstühle wurde diese Straße auch letztlich “Schnurrgasse” genannt. Unser Spaziergang setzt sich fort entlang der Schnurrgasse bis wir an die alte Brücke der Fischbach stoßen. Wir stehen nun direkt neben der ehemaligen Mühle von Niedernhausen. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es hier eine Mahl- und Schneidmühle. Die Geschichte der ehemaligen Mühle reicht bis in das Mittelalter zurück. Seit gut 300 Jahren ist sie in Familienbesitz verblieben. Wenn man vor der Brücke rechts in die Straße einbiegt kann man noch einen Mühlstein finden.
Überqueren wir die alte Fischbachbrücke und wenden uns nach links in Richtung Ortsmitte zurück. Sogleich fällt uns gegenüber der Bushaltestelle ein imponierendes Steingebäude auf. Es handelt sich um den ehemaligen neuen Kurpfälzer Hof welcher einst ein herrschaftlicher Hof gewesen ist. Direkt gegenüber, wo heute die Reihenhäuser stehen stand dereinst der Hessische Hof -ebenfalls ein imposanter Bauernhof welcher eine lange Tradition hatte und wahrscheinlich bis zu den Anfängen der dörflichen Besiedelung zurückreichte - das Wohnhaus wurde in den frühen 1970er Jahren abgerissen, heute erinnert hieran nichts mehr.
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Unterdorf mit Fachwerkhof
Mit dem Standort der Pizzeria und des Friseurladens (wo früher einmal ein Lebensmittelgeschäft war - zunächst in dem kleinen Gebäude, hier gab es auch mal ein Blumengeschäft in den 1980ern, und später in dem Neubau bis in die 1980er Jahre)finden wir einen weiteren traditionsreichen ehemaligen Bauernhof - der sogenannte “Heilig-Geist-Hof” und spätere “Kurpfälzer Hof”.
Weiter auf unserem Rundgang fällt uns nun ein imposantes Fachwerkgehöft auf - das größte im Ort. Der beeindruckende Gebäudekomplex stammt aus der Zeit unmittelbar nach dem 30jährigen Krieg und ist seither ununterbrochen in Familienbesitz. Es war dereinst der größte Hof vor Ort und hiervon kündet das Bauwerk sicherlich noch heute.
In etwa schräg gegenüber befand sich bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der letzten Gäulschenmacher aus Niedernhausen - heute ruht auch hier dieses Handwerk schon lange.
Nun sind wir am Ende unseres Rundganges - wir hoffen es war ein Erlebnis für Sie.
Pfarrhaus in Niederhausen
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