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Eine Wanderung um Lichtenberg herum

Diese Wanderung führt uns von Niedernhausen vorbei am Naturschwimmbad, an einen kleinen Steinbruch, entlang dem „Wasserleitungsweg“ nach Billings und durch den Herrnsee zurück nach Niedernhausen. Für die reine Gehzeit sollten Sie zwei Stunden ansetzen.

Als Bilddarstellung haben Impressionen von diesem Weg gewählt welche in verschiedenen Jahreszeiten aufgenommen wurden.

Wir starten unsere Wanderung in Niedernhausen am Bürgerhaus – hier steht auch ein Parkplatz für Ihr Fahrzeug zur Verfügung. Zunächst führt unser Weg am Drogeriemarkt vorbei in Richtung Ortsausgang. Auf dem Weg dorthin begegnen uns verschiedene Fachwerkbauten und alte Hofreiten in Niedernhausen.

Haben wir den Ortsausgang erreicht wechseln wir auf den Fuß- und Radweg in Richtung Groß-Bieberau und setzen unseren Weg gut 300 Meter an der Fischbach entlang fort bis wir diesen über einen „Trampelpfad“ nach linker Hand (über die Verkehrsstraße) in einen ausgebauten, flach verlaufenden, Weg in Richtung Naturschwimmbad und Campingplatz verlassen können.

Nach ein paar Minuten erreichen wir unser Ziel – das Schwimmbad. Die Gründung dieses Naturschwimmbades, welches heute im Eigentum der Gemeinde Fischbachtal befindlich ist, steht in engem Zusammenhang mit dem ehemaligen Lichtenberger Hotel „Schöne Aussicht“ und dem Hotelier Schellhaas. Es wurde für die zahlreichen Hotelgäste des Hotel „Schöne Aussicht“ eröffnet.

Weiter auf unserem Weg stoßen wir auf eine Wegkreuzung mit einer starken Eiche. Wir halten uns auf dem Weg rechts von dem mächtigen, alten, Baum und laufen unterhalb des Bollwerkes weiter in Richtung Lichtenberg. Links über unserem Weg dominiert das Bollwerk das Bild – es ist ein alter Geschützturm aus der Zeit um 1500 mit bis zu 6 Meter dicken Mauern. Man kann auch heute noch erahnen wie dieses einstige Symbol des Ausbaus Lichtenberg zur Landesfestung dafür Sorge trug Schloß Lichtenberg vor seinen Feinden zu schützen. Rechts vom Bollwerk – bei Einheimischen wird es fast immer als Bollwerk bezeichnet – Auswärtige sagen auch „Krautbütt“ – fällt auch das ehemalige Schulhaus von Lichtenberg in den Blick.

Bald darauf gelangen wir rechter Hand des Weges an einen kleinen, noch aktiven, Steinbruch.

Hier offenbart sich uns ein Einblick in die Erdgeschichte. Wir sehen große und mächtige Granitblöcke. Es ist dies Gestein aus dem Grundsockel des ehemaligen Varistischen Gebirges.

Das Varistische Gebirge erstreckte sich im Erdaltertum quer durch Mitteleuropa und war in etwa mit den heutigen Alpen zu vergleichen. Durch Verwitterung von Jahrmillionen wurde das Gebirge bis auf den Grundsockel abgetragen. Hierdurch wurde aus der Alpenlandschaft ein hügeliger Raum. Dann überflutete das sogenannte Zechsteiner Meer vom Norden unsere Landschaft und lagerte über einen langen Zeitraum mehrere 1000 Meter Sedimente über den ehemaligen Gebirgsstock ab.

Als sich in der Erdneuzeit die Alpen auffalteten und der Oberrheingraben einbrach wurden die Randbereiche der dort versinkenden Erdschollen emporgehoben. Zu diesen Gebieten gehörte auch unsere Region. Mittlerweile hat der Rheingraben eine Tiefe von über 3000 Metern erreicht, davon sind allerdings gut 2000 Meter mit Sedimenten aufgefüllt. Diese Sedimente stammen auch aus unserer Gegend – im Buntsandstein-Odenwald sind sie noch teilweise erhalten. Bei uns trat deshalb wieder der einstige Grundsockel des ehemaligen Varistischen Gebirges zu Tage – wie hier in diesem kleinen Steinbruch.

 

Ein Nebeneffekt dieser Jahrmillionen dauernden Vorganges war eine verstärkte Vulkanbildung auch hier im Odenwald-Gebiet. Beispiele sind hier der Otzberg, der Roßberg, der Katzenbuckel und der Forstberg bei Groß-Bieberau im näheren Umfeld. Auch im Fischbachtal gab es wohl einen Vulkanausbruch. Er muss sich oberhalb des Seeberges in Niedernhausen befunden haben – in der Nähe des heutigen Tannenhofes – dies nur Nebenbei.

 

So nun reicht es aber mit Geologie – zurück auf den Weg.

 

Wir gehen nun weiter und zwar Bergauf in Richtung Parkplatz „Riedbusch“. Wir wählen nicht den breiten Weg am Steinbruch aufwärts (vorbei am alten Menk Seilzugbagger) sondern linker Hand einen kleinen Trampelpfad bergauf.

Oben angekommen müssen wir wieder eine Verkehrsstraße überqueren und laufen in der gleichen Richtung quer am Parkplatz entlang vorbei an den Containern bis zu einer kleinen Weggabelung – wir halten uns immer links und steigen hinauf bis nach Lichtenberg am Waldrand entlang. (Nicht auf dem Bürgersteig an der Verkehrsstraße entlang in Richtung Lichtenberg gehen).

In Lichtenberg angekommen stehen wir wieder auf einem Parkplatz am Waldrand. Hier orientieren wir uns an einer mächtigen alten Eiche an welcher wir rechts vorbei in den Wald einbiegen.

Unser Weg führt uns nun unterhalb der Altscheuer den sogenannten „Wasserleitungsweg“ entlang und schon bald finden wir rechts des Weges liegend den alten Lichtenberger Brunnen welcher noch von der schwierigen, früheren, Wasserversorgung von Lichtenberg zeugt.

Wie alle Höhenburgen hatte auch Lichtenberg mit extremem Wassermangel zu kämpfen. Innerhalb der ehemaligen Stadtmauern finden wir zwar einen tiefen Ziehbrunnen, doch war dies längst nicht ausreichend um Schloß und Stadt zu versorgen.

Schon 1577 wurde deshalb eine hölzerne Wasserleitung von Lützelbach kommend bis in den Schlosshof verlegt – hier findet sich auch noch der große Brunnenfang, welcher heute für Blumenanpflanzungen genutzt wird. Doch diese Lösung war nicht von Dauer und auch taktisch nicht sonderlich nützlich. Bei Belagerungen war es den Feinden ein leichtes diese Wasserzufuhr zu unterbrechen.

Im 18. Jahrhundert war diese Wasserleitung schon wieder verschwunden. Immer wieder kam es zu Unmutbekundungen von Seiten der Einwohner und des Schloßpersonal wegen der schlechten Wasserverhältnisse in Lichtenberg.

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde eine weitere Wasserleitung von einem Brunnen im Kernbachwald angelegt – ein Regulativ zur Nutzung ist bis heute erhalten und liegt auch der Fischbachtal-Odw.de vor.

Doch auch diese neue Leitung sorgte nicht für ausreichend Wasser und so wurde schließlich schon bald darauf eine weitere Wasserleitung von Lützelbach herkommend gebaut. Die Wasserversorgung von Lichtenberg blieb aber bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein schwierig – trotz neuer Hochbehälter im Gebiet der Kernbach.

Soweit die kleine Erläuterung zur Wasserversorgung in Lichtenberg. Haben Sie die Zeit für eine kleine Pause am Brunnen genutzt ?

Also geht es jetzt weiter – wir folgen dem Weg und halten uns an der nächsten größeren Abzweigung (welche Bergauf führt in Richtung Hütte Kernbach) weiter links und folgen unserem Weg bis wir aus dem Wald hinaus treten können.

Zu unseren Füßen liegt nun Billings und wir sehen einen gut ausgebauten (befestigten) Feldweg welcher hinab führt nach Billings – also denn – folgen wir diesem Wegverlauf.

Nach einiger Zeit stoßen wir auf die Verkehrsstraße welche durch das Fischbachtal führt – wir queren hier und setzen unseren Weg durch Billings hindurch fort. Hier passieren wir die ehemaligen drei Mühlen von Billings. An der oberen Mühle ist heute ein Mühlrad (allerdings nur symbolisch) angebracht welches vom Mühlbach bewegt wird.

Der Straße ist nun ihrem Verlauf weiter talwärts durch den Ort zu folgen – vorbei am alten Billingser Schulhaus (rechts von der Straße) bis wir nach gut 300 Metern auf eine kleine Kreuzung stoßen. Der Straßenverlauf führt hier bergan – wir folgen ihm nicht. Unser Weg führt nun links hinab in Richtung Niedernhausen.

Auf einem ausgebauten Wirtschaftsweg durchwandern wir nun die Wiesen und Äcker unterhalb der Altscheuer (linker Hand). Die großen Pappeln in der Senke zeigen uns den Standort des ehemaligen Herrnsee an. Dieser war ein herrschaftlicher Fischteich welcher vor vielen Jahrhunderten an gleicher Stelle gelegen hatte – heute erinnert noch der umfangreiche Schilfbewuchs an diesen Standort und natürlich die Bezeichnung „Herrnsee“.  Von hier haben wir nun einen wunderbaren Blick auf Schloß Lichtenberg.

So langsam geht unsere Wanderung zu Ende – wir queren die Straße nach Meßbach und setzen unseren Weg nach Niedernhausen fort bis wir an die Tennisplätze kommen, hier wenden wir uns nach links und gehen bis zur Hauptverkehrsstraße von Niedernhausen und folgen dann deren Verlauf durch den Ort bis zum Startpunkt unserer Wanderung.

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