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Lichtenberg war schon sehr früh, durch sein Schloß und die dortigen Amtsgeschäfte, ein Ort für Gäste. Hierdurch bedingt gab es auch schon sehr früh eine kleine Anzahl von Gasthäusern die im Grunde für einen so kleinen Ort viel zu viel gewesen wären.
Da war zum einen der “Güldene Engel” - welcher sich bis in das 17. Jahrhundert zurück verfolgen lässt. Das Gasthaus muß bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein bestanden haben und befand sich ungefähr an der Stelle des heutigen Anwesen der Familie Vier- heller. Dies liegt in etwa gegenüber der mittlerweile ebenfalls geschlossenen, späteren Gaststätte Schloß Lichtenberg”.
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Auch die bekannten Ursprünge dieser Gaststätte gingen bis in das 17. Jahrhundert zurück wo es unter dem Namen “Zum güldenen Löwen” erwähnt ist. Da es seit den 30er Jahren in Besitz der Familie Schanz befindlich ist kannte man es in der Bevölkerung auch unter dem Namen “Schanz” wobei es auch noch die Namen “Burg Lichtenberg” und “Linde” und letztlich “Schloß Lichtenberg” getragen hat.
In etwa schräg gegenüber finden wir das heutige “Institut für funktionales Stimmtraining”. Auch dieses imposante Gebäude war einst eine Gaststätte. Das einstige Gasthaus Georg Schanz wurde zu Anfang des 20. Jahrhunderts von einem Mitglied der zuvor genannten Familie Schanz gegründet. Auf der oben zu sehenden Aufnahme aus dem Jahr 1899 ist es noch nicht einmal gebaut. Unten sehen wir ein Bild aus den Anfangstagen dieses Gebäudes. Hier handelt es sich noch um ein Haus mit einem Fachwerkanbau, später wurde das Gebäude noch einmal stark vergrößert.
Bereits 1913 geriet das Haus jedoch in finanzielle Bedrängnis und gelangte schließlich in den Besitz der Familie Schellhaas die genau gegenüber die Pension “Zur schönen Aussicht” betrieb und welche es als “Pension Schellhaas” in ihr Geschäft eingliederten. Im 1. Weltkrieg beherbergte das Haus unter anderem ein Genesungsheim für Kriegsinvalide weshalb es im dörflichen Sprachgebrauch auch als “Kasern” bekannt ist.
Die ehemaligen Gastbetriebe der, bereits genannten, Familie Schellhaas gehen zurück auf das ehemalige Gasthaus “Zum Stern” welches sich genau vor dem einstigen äußeren Tor der Burganlage befand (während sich das Gasthaus “Zum güldenen Engel” und auch “Zum güldenen Löwen” innerhalb der Burg befanden).
Seine Blüte erlebte der ehemalige “Stern” der sich nun “Zur schönen Aussicht” nannte, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In die- ser Zeit zogen immer mehr Menschen aus der Umgebung zur “Sommerfrische” in den Odenwald und genoßen ihren aufkommenden Wohl stand. Hiervon profitierte auch Lichtenberg und insbesondere der Gastbetrieb der Familie Schellhaas, welcher im Jahr 1890 begründet wurde.
Auf dem unten stehenden Foto können wir sehr gut die verschiedenen Veränderungen am ehemaligen “Stern” erkennen. Im Vordergrund sehen wir noch das ursrpüngliche Fachwerkhaus, hieran wurde später ein Balkon und ein flachdachiges Geschoss angebaut. Der neue Anbau in der rechten Bildhälfte folgte später und hatte zunächst ebenso ein Flachdach - auf dem Bild nur noch zu erahnen ist ganz rechts die überdachte Terrasse. Später erhielt das Gebäude ein Giebeldach. Mehr dazu im nachfolgenden Text.
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Die Familie Schellhaas war 1806 mit Johann Peter Schellhaas aus Rodau eingesiedelt. Sie waren von Anfang an Wirte und Bäcker. Mit ihrem Gasthaus “Zur schönen Aussicht” müssen sie von Anfang an sehr viel Geschick gehabt haben, denn bereits zu Beginn des 20. Jahrhundert wurde der Fachwerkbau erweitert. Um 1908 warb das Hotel mit einem großen Schild mit zwei abgebildeten Hasen um Gäste. Der Andrang war große - die Schar der Ruhe und Erholung suchenden “Sommerfrischler” steigerte sich immer mehr und so wurde bereits im zweiten Jahrzehnt des letzten Jahrhundert die Gaststätte wieder erweitert indem man ein neues Dach - anstatt eines Flachdaches - aufsetzte um mehr Fläche für Gäste zu schaffen. 1913, wie bereits erwähnt, übernahm man auch noch das gegenüber liegende Gastgewerbe des Georg Schanz und konnte nun über zwei Häuser gebieten. 1926 wurde ein eigenes Schwimmbad für die Gäste er- richtet dieses existiert auch heute noch als Naturschwimmbad der Gemeinde Fischbachtal. Viele Menschen fanden Arbeit oder einen Zu- verdienst in der Gastronomie oder nahen Bereichen. In den 30ziger Jahren gab es sogar eine Tankstelle in Lichtenberg. Der Andrang war sehr groß - sogar Schloß Lichtenberg wurde von der Hoteliersfamilie gepachtet und im Westflügel mit Zimmern versehen.
In einem Hotelprospekt aus dem Jahre 1937 liest sich das so:
“Der Gasthof dienst seit 1890 dem Fremdenverkehr. Er bleibt das ganze Jahr geöffnet. Den erhöhten Ansprüchen wurde laufend durch Verbesserungen Rechnung getragen. Die behaglich eingerichteten Fremdenzimmer sind teilweise mit fließendem kalten und warmen Wasser versehen und mit wenig Ausnahmen nach der Aussichtsseite gelegen. Alle Räume sind der Zentralheizung angeschlossen, wodurch sie auch im Winter einen angenehmen Aufenthalt gewährleisten.
Das Schloß ist Staatseigentum und pachtweise in meinem Besitz. Seine Lage bürgt für unbedingte Ruhe. Von den nur im Westflügel gelegenen luftigen Fremdenzimmern eröffnet sich dem Beschauer ein reizvoller Blick über das Fischbachtal auf die bewaldeten Höhen. Die Entfernung vom Schloß zum Gasthof beträgt 2-3 Minuten. Die Mahlzeiten werden gemeinsam im Gasthof eingenommen.
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Gemütliche Gesellschafts- u. Speiseräume, geschlossene Verande, Sitzgelegenheiten im Freien. Der Führung einer erstklassigen und abwechslungsreichen Küche wird ganz besondere Sorgfalt zugewandt; sie begründet mit den guten Ruf meines Hauses.”
Soweit der Hotelprospekt aus dem Jahre 1937. Dieser gibt uns auch Auskunft über das Preisniveau dieser Zeit.
Dabei muß man erwähnen die Preise sind mit Vollpension - für heutige Zeiten natürlich Wahnsinn, doch damals war auch der Verdienst der Menschen entsprechend geringer zu beziffern.
In den Kriegsjahren des II. Weltkrieges wird das Kurhotel zum Erholungheim umgewandelt u nd geht schließlich in den Besitz der damaligen Deutschen Ar- beitsfront über. Nach dem Krieg übernimmt noch einmal die Familie Schellhaas die Geschicke des Hauses und eröffnet den Gastbetrieb aufs neue. In einem Hausprospekt der 1950er Jahre stellte sich das Hotel Schellhaas nun wie folgt vor: “ Das Hotel Schellhaas hat sich durch seine herrliche und ruhige Lage fernab von jeglichem Lärm und Verkehr, aber leicht zu erreichen über gute und landschaftlich reizvolle Anfahrtsstraßen, zu einem Kleinod im Fremdenverkehr ent- wickelt. Trotz der erheblichen, laufenden Renovierungen und Neueinrichtungen, den modernen Hotelzimmern mit Privatbädern und allem Komfort, wurde an dem überaus günstigen Preisniveau festgehalten. Die Neuanlage eines Spielplatzes für Boccia, Federball, Ringtennis, Tischtennis und ein eigener Kurgarten, unmittelbar an der Südseite des Hotels mit dem wunderschönen Blick auf das Fischbachtal, bieten Ihnen weitere Abwechslung während des Erholungsaufenthaltes. Neben der Gelegenheit des Wanderns an Hand der hierfür gestalteten Wanderkarte mitSpaziergangerläuterung und geschichtlichem Über- blick, besteht die Möglichkeit zum Fischen und Krebsen und zum Reiten. Regelmäßige Autobusfahrten zu mäßigen Preisen in das Kino u. zu den Se- henswürdigkeiten im Oden- wald. Unsere Binsenbar ist eine ausgesprochene Hotel- bar, die den nur ruhesuchenden Hotelgast nicht stört. Für die Erhaltung Ihrer Gesundheit empfehlen wir unsere Dr. Kousa´s Vollweizen - Gel Pauschalkuren zur Ent- schlackung, als natür- liches Schlankheitsmittel und gegen früh- zeitiges Altern.” Das Hotel hatte folgendes Preisniveau aus dem Jahre 1955:
- Einbettzimmer 4,50 bis 7 DM - Einbettzimmer mit Bad 10 DM - Zweibettzimmer 10 bis 14 DM - Zweibettzimmer mit Bad 18 DM
- Volle Pension 9 bis 12 DM (ab fünf Tagen für Übernachtung, Frühstück, Mittag und Abendessen pro Person und Tag) - Zimmer mit Bad und volle Pension 15 DM - Pension auch unter fünf Tagen mit Kürzezuschlag, Kinder unter 10 Jahren nach Vereinbarung. Hinzu kamen 10 % für die Bedienung und eine Höhenluftkurtaxe von 0,10 Pfennig.
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In jener Zeit wurde auch am anderen Ende von Lichtenberg das viel besuchte Cafe Wichmann eröffnet, Paul Wichmann war einst Geschäftsführer bei Schellhaas er betrieb sein Cafe bis in die 60ziger Jahre hinein. Doch die Zeiten wurden schwieriger und bereits 1958 wurde das Haus Schellhaas an Max Siebert veräußert der hieraus sein Hotel “Maxsie” machte. Das Maxsie wurde eine gewisse Zeit zum führenden Haus in Lichtenberg, erhielt ein eigenes Schwimmbad (dessen Reste noch zu sehen sind hinter dem Haus) und eine eigene Minigolf - Anlage, auch die sogenannte Binsenbar war recht beliebt doch all dies half dem Haus nicht zu überleben. (Billy Mo; “Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut” übernachtete zum Beispiel dort). Das Maxsie bestand noch eine gewisse Zeit bis es in den 80er Jahren leer stand, nach einem Brand wurde es bis auf die Keller abgetragen. Später war der Eigentümer des Grundstückes die Familie Schanz welche einstmalig die oben erwähnte Gaststätte “Schloß Lichtenberg” betrieben hatte. Im 21. Jahrhundert wurde es an das Lichtenberger Institut veräußert - zusammen mit der ehemaligen Gaststätte “Schloß Lichtenberg”. Damit sind die beiden Grundstücke der ehemaligen Schellhaaschen Betriebe wieder bei einem Besitzer vereinigt.
Eine zeitlang fanden auf der Fläche über den Kellergewölben noch Stände des Adventsmarkt- es der Gemeinde Fischbachtal ihren Raum.
In Lichtenberg hat heute keines der genannten Gasthäuser mehr seine Pforten geöffnet - neue sind an deren Stelle getreten.  |